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Zentralasien 2009

Eine Motorradtour ins Ungewisse

 Zuerst mal möchte ich mich bei einigen Leuten ganz herzlich bedanken, ohne die, die Reise nicht zustande gekommen wäre:

Als erstes Mal beim lieben Gott und den Schutzengeln, die ihre schützenden Hände über uns in allen Situationen gehalten haben. Danke an den Lukas, den Sohn vom Michael, der uns das Forum ins Netz gestellt hat. Es war eine große Hilfe bei der Vorbereitung. Danke an Dirk und Michi, die mit mir das Abenteuer bestritten, die Kameradschaft und die Geduld, die sie mir entgegenbrachten. Danke an meine Freundin Gertraud, die mich ziehen ließ und mich unterstützte. Danke an meinen Freund Hotl, der mit mir tagelang das Motorrad umbaute. Danke an meinen Freund Otto, der alles gewissenhaft schweißte. Danke an den Schlosser Erbse, der mir ein paar Spezialsachen fürs Motorrad drehte. Danke an meinen Chef, den Rainer, der mir die 5 Wochen Urlaub genehmigte,  Reifen besorgte und mich unterstützte, wo er konnte. Danke an den Alex von Motorrad Holzner für seine Tipps und die  gewissenhafte Wartung der KTM.  Danke an all die netten Leute die uns unterwegs halfen und ihre Gastfreundschaft entgegenbrachten, an ihre Offenheit und  Herzlichkeit.

Wie immer, begann alles mit ein paar Bierchen und einer guten Stimmung auf einem Motorradtreffen. Ich traf mich im Mai 2007 mit zwei Freunden, mit denen ich schon in Sibirien und im Winter in Norwegen unterwegs war. Irgendwann kam das Gespräch auf den Baikalsee. Ins Schwarze getroffen, auf alle Fälle bei mir. Michi fragte, ob ich mitmachen würde. Das der mich überhaupt fragt. Die Bierchen wurden immer mehr und irgendwann verteidigten wir schnarchend unseren Zeltplatz.  Am nächsten Tag fragte mich Michi beiläufig, ob es ich noch wüsste, was ich am späten Abend mit ihm und Dirk ausgemacht hätte.“ Baikal, ist doch klar“ und ich grinste. Ausgemacht ist ausgemacht! Der müsste mich doch kennen und für solche Sachen bin ich immer zu haben. Von Bad Oeynhausen zur mir betrug die Rückfahrt 8 Stunden und schon kreisten die ersten Gedanken im Kopf.  Das richtige Motorrad hast du ja, Kohle treibst du auch auf und das Andere wird sich schon ergeben.

Michis Sohn richtete uns bald darauf ein Forum ein mit dem Namen „Wahnsinn“, was ja auch nicht abwegig war und wir tauschten fast täglich Informationen aus. Das ganze nahm Formen an, da wir fleißig im WWW recherchierten, doch plötzlich wendete sich das Blatt.

Dirk hatte eine amerikanische Motorradseite für Abendteuerer entdeckt. Auf dieser Seite befanden sich Foto von Polen, die mit dem Motorrad in Zentralasien unterwegs waren.

Ich weiß nicht mehr genau, aber ich bin glaube ich vom Stuhl gefallen, so umwerfend waren die Bilder. Sofort tat ich in dem Forum meine Absicht kund, dorthin zu pilgern. Michis Begeisterung holte mich wieder auf den Boden, denn sie war gleich null. Doch eine Woche später gab es von Beiden grünes Licht. Heute kann ich sagen, das hat keiner bereut. Die Zeit verging im Flug und im Oktober 2007 trafen wir uns ein Wochenende in Thüringen, um die Mopeds um die Ecken zu schwingen und konkrete Sachen zu besprechen. Dabei war auch ein Sibirien – Veteran, der aber dann doch absagte. Der Winter kam heran und die Beschaffung der Visas gestaltete sich als schwierig, denn 7 Länder wollten genaue Angaben über den Reiseverlauf. Von einem Land bekamen wir erst die Visa, wenn wir das von dem vorhergehenden Land hatten. Grenzübergang und der genaue Aufenthalt war auch gefragt. Dirk brachte dann den besten Choke, sein Pass war unauffindbar.

Langsam machte ich mich daran mein Stollentier expeditionstauglich zu machen, Zusatztank mit 20 Liter, Kofferträger umschwei?en und Koffer montieren. Ausrüstungsgegenstände mussten noch gekauft werden, sowie Höhenmesser und so manch anderes. 14 Tage vor dem Start trudelten dann die Visas ein. Welch ein Glück! Ich betrieb Fitness -Training,  stellte meine Ernährung um und meine Gedanken waren sowieso nicht mehr auf dieser Welt. Der Autozug in die Türkei war gebucht und der 10.05.2009 rückte immer näher. Das Wochenende vor der Tour bepackte ich meinen 100 PS – Esel redete mit ihm in der Garage und ich glaube, er freute sich darauf, mir mal zu zeigen, was er kann. Irgendwie sah er jetzt anders aus, als alle anderen KTM.

Der Tag Null, ich musste natürlich wieder bis spät abends in München arbeiten und die anderen zwei, die zu mir kamen schraubten jetzt schon an irgendwelchen Defekten bei mir zu hause in der Werkstatt. 21 Uhr war ich daheim. Ein großes Hallo und Nervosität lagen in der Luft. Eine Runde starken Kaffee und um 23.30 Uhr nahm ich meine Freundin noch mal innig in die Arme und wir knatterten los.

 

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Das bestand uns bevor: 14000 km in 5 Wochen, bloß wir wussten nicht was!

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Die Fahrt durch die Nacht verlief problemlos und gegen 5 Uhr trudelten wir in Villach ein, wo der Autozug in die Türkei auf uns wartete. Ich glaube, wir waren die einzigen Deutschen in dem Zug und als die türkischen Rentner hörten, dass wir nicht Urlaub in der Türkei machen würden, sondern weiterziehen, schüttelten sie unverständlich den Kopf.

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Der Zug hatte 6 Bett – Abteile,  die mir mit ein paar netten Türken teilten und in 30 Stunden für 240.- Euro ratterte der Autozug nach Edirne. In Edirne hatte uns dann der Orient unweigerlich in seine Arme geschlossen, Zugentladung und der Zoll dauerten Stunden. Irgendwann war alles geschafft und wir schwangen uns auf unsere Zweiräder, Kurs Istanbul. Mitternacht verließen wir das Abendland und überquerten die Brücke am Bosporus. An der Mautstelle waren Michis Handschuhe unauffindbar, an das kann ich mich noch erinnern.  Um halb zwei kehrte die Müdigkeit ein und wir deklarierten einen LKW – Rastplatz zum Campingplatz.

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Morgens überraschte uns Dirk mit einem Kellner, der uns auf einem Tablett Tschai ( Tee ) brachte. Direkt zu unseren Zelten.  Der schmeckte vorzüglich zur Zigarette. Die Sonne schien, aber es war ungewöhnlich frisch für die Türkei. So, rauf auf die Mopeds und Richtung Osten. Die Straße war gut und wir machten Kilometer. Vorbei an kleinen anatolischen Dörfern, mit ihren Moscheen, deren Minarette weit in den Himmel ragten. Die Straße verlief ca. 100 km südlich vom schwarzen Meer und es wurde richtig kalt. Das Thermometer zeigte 8 Grad. Das kann ja heiter werden. Was interessant war, sie bauten hier in Anatolien Reis an. Der bringt mehr Geld. Dies bestätigte uns auch ein freundlicher Bauer mit dem wir in Zeichensprache ins Gespräch kamen. Was mir auffiel. Seine Tochter, ein in Kopftuch gehüllter Teenager, saß am Traktor und schaute unentwegt in die entgegen gesetzte Richtung, dem Vater war es anscheinend nicht recht, dass sie uns anblickte. Moslems haben eben andere Ansichten. Um ehrlich zu sein, ich fror jetzt wie einen Hund und die anderen auch. Heute Abend ist Hotel angesagt.

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Es war schon dunkel und wir bogen rechts in einen Ort, das „ Hotel Ratzenloch „ war bald gefunden und die Mopeds wurden wie Schwerverbrecher behandelt, schwere Ketten und Seile vorne und hinten und dann direkt vor die Hoteltüre. Über die Betten und die Dusche möchte ich mich hier nicht äußern. Am Morgen erlebten wir eine Überraschung, den Kaffeetisch teilten wir mit einem Engländer, ca. 55 Jahre der mit seinem Fahrrad nach Neuseeland zu seiner Tochter unterwegs war und einen Slowenen, ein junger Bursch, der nach Peking zur Olympiade wollte. Es gibt noch Verrücktere als uns! Gegen Mittag erreichten wir das schwarze Meer und schlängelten uns an der Küste entlang. In einer kleinen Stadt machten wir Rast, das wiederum einen gewaltigen Menschenauflauf verursachte. Viele der Türken waren früher in Deutschland Gastarbeiter und die Fragen nachdem woher und wohin prasselten gerade so auf uns herein. Einer fragte mich im niederbayerischen Dialekt, wohin ich fahre und als er vernahm, nach Tadschikistan, sagte er, das sei super, da gäbe es viele geile Weiber. Ich gebe nur wieder, was der Mann zu mir sagte. Innerlich, muss ich zugeben, schmunzelte ich. Abends verbrachten wir die Nacht in einem fürstlichen Hotel und auf der Speisekarte stand vorzüglicher Fisch.

Morgens, wie üblich, das Fitness – Programm: Koffer und alles Gepäck vom Zimmer zum Moped und alles verzurren und dann weiter Richtung Osten. Mittags ereichten wir die georgische Grenze. Orientalische Hektik. Ein LKW fuhr dem anderen bis auf ein paar Zentimeter an die Stoßstange, Geschrei der nervösen Fahrer, Gedränge am Schalter und mittlerweile 30 Grad und wir mittendrin. 2 Stunden war alles vorbei und wir trafen bei der Ausfahrt einen Salzburger, der hier für die Zoll tätig war. Die Straße Richtung Tiflis kannte ich, da ich 7 Jahre zuvor schon einmal im Kaukasus war. Es ist hier eine ganz andere Flora und die Häuser stehen hier vereinzelt im Grünen, Teilweise wunderschöne Herrschaftshäuser aus vergangenen Zeiten. Zwischen dem Meer und dem Kaukasus wurde hier unter Soviet -Zeiten Tee und Südfrüchte angebaut .

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Zum Verkehr, die fahren hier wie die Verrückten, es gibt nur eine Stellung: Vollgas! Anscheinend haben die hier etwas nach zu holen. Wenn die dich mit ihrer M – Klasse überholen, spürst du den Luftzug, so nah fahren sie an dir vorbei. Die Resultate stehen in rauen Mengen am Straßenrand in Form von Kreuzen. Nach der hektischen Fahrt durch Batumi, einer großen Hafenstadt, wird es auf der Straße ruhiger und wenig später geht es Richtung Norden  in die Berge. Wir passieren einen mautpflichtigen Tunnel schauen uns langsam nach einem Schlafplatz um. Nach dem Motto: weg von der Straße, wo sich meistens das Gesinde herumtreibt, biegen wir links in einen Wald. Lange fanden wir keinen geeigneten Platz und durchfuhren dann ein Dorf. Am Ende war rechts eine Wiese. Der Besitzer, der unterhalb ein Haus sein Eigen nannte, lud uns gleich zu sich in den Garten ein, das wäre besser für die Mopeds. Wir erlebten einen Abend voller Gastfreundschaft. Wir wurden in die Stube eingeladen, die eine Menge Kinder beherbergte, zur denen sich auch noch die Nachbarskinder mit ihrer Mutter gesellten. Besuch aus Deutschland gibt es ja nicht jeden Tag. Die Töchter lernten in der Schule Englisch und so erfuhren wir einiges über Land und Leute. Es war ein netter Abend und ich schlüpfte später zufrieden in meinen Schlafsack. Am Morgen beobachtete ich wie sich die Kinder wuschen. Eine verkehrt herum aufgehängte Plastik – Limonadenflasche, halb voll Wasser mit einem kleinen Loch im Verschluss, aus der das Nass herauströpfelte, genügte den 2 Mädchen für die morgendliche Wäsche. Die Frau des Gastgebers machte uns noch ein Frühstück mit selbstgebackenem Fladenbrot, Eiern und einem Gemüse und vor der Abreise gab sie uns noch jedem ein Heiligenbildchen, das uns beschützen sollte. Wir waren gerührt, denn die Leute sind sehr arm, teilten mit uns ihr wenig Brot und waren besorgt, dass wir wieder gesund nach Hause kommen. Diese Familie werde ich nie vergessen.

 

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Kurz noch Kette spannen und den Ölvorrat im Motor kontrollieren, das Pferd satteln wie der Cowboy, bloß dass heute alles aus Kunststoff ist und dann ging es weiter. Eine Stunde später standen wir am Straßenrand in der klaren Morgenluft und bestaunten die mit Schnee bestäubten, gewaltigen Gipfel des Kaukasus. Die höchsten Gipfel ragen mit 5000 Metern in den Himmel. Sorgen machten sich nun bei uns breit, denn in Zentralasien waren Pässe mit über 4000 Metern, wenn dort auch Schnee liegt, scheitert unser Vorhaben, den Pamir zu bezwingen. Mittags erreichen wir Tiflis, die Hauptstadt von Georgien mit seinem Großstadtgewühl. 4 Wochen später war hier Krieg. Verrückt ! Wir quälten uns durch die engen Gassen und verfransten uns anständig. Dirks GPS wies uns wenigstens grob die Richtung. Auf alle Fälle war es eine unfreiwillige Stadtrundfahrt, die in der Durchfahrung einer Bahnunterführung mit einen halben Meter Schlamm krönte. Zwei Stunden später erreichten wir die Grenze nach Aserbeidschan. Das war ein richtiges, altes Grenzloch. Schmuddelig, staubig und von den Häusern fiel der Putz. Autos wurden angeschoben, weil der Anlasser versagte und die jungen Soldaten spuckten unentwegt auf den Boden. Aber die Zöllner waren sauber gekleidet und ausgesprochen nett. Der Schreibkram war enorm und alles von Hand in dreifacher Ausfertigung. Hier kam unser erstes Transitvisa zum Einsatz, dass freundlicher Weise gleich um 2 Tage verlängert wurde. Es war heiß und wir badeten in unseren Stiefel, aber nach 2 Stunden war alles vorbei und der Fahrtwind wehte uns wieder um die Nase. Die Straße war verhältnismäßig gut und wir kamen voran. Dann, Polizeikontrolle! War aber eigentlich nur Neugierde, nach dem Woher und Wohin. Der Polizist nannte einen neuen BMW sein Dienstfahrzeug mit Laptop im Kofferraum. Ich war sprachlos! Wir plauderten und machten uns dann wieder auf den Weg und hier wäre die Reise für mich fast zu Ende gewesen, der Seitenständer war noch herausgeklappt, aber der Polizist bemerkte dies und Dirk holte mich mit einem Affenzahn ein, um mich zu warnen. War ganz schön leichtsinnig. Stoßgebet zum Himmel und weiter. Und wieder die allabendliche Suche nach einem Schlafplatz. Wir bogen links in einen Feldweg und wenig später kamen wir an einem Bauernhaus vorbei. Der Alte stand davor. Die flache Hand auf die Wange gelegt und den Kopf zur Seite geneigt und dazu das Zauberwort „Camping“, das hatte der Alte sofort verstanden. Er streckte die Hand aus  und deutete auf die Landschaft vor uns. Camping überall möglich, sollte das heißen. Wir grinsten uns an und legte den Gang ein, um auf eine abgemähte weitflächige Wiese zu gelangen. Perfekt. Zelt aufbauen, Gepäck verstauen, Rotwein trinken , mehr trinken, dann lallen und schnarchen, ihr kennt das ja. Es war eine geruhsame, ruhige Nacht.

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Am Morgen war der Himmel trüb, als wir unseren Kaffee schlürften und wir packten das Regenkombi in Griffnähe. Wieder rauf auf die                Hauptstrasse und unser Ziel war heute Baku am kaspischen Meer. Und schon wieder Polizeikontrolle. Wir waren die willkommene Abwechslung      für die Langeweile in der aserbeidschanischen Pampa. Fotos mit allen Polizisten einschließlich Chef. Probesitzen auf den Mopeds und Fragen über Fragen. Keine Pass – und Visakontrolle. Hier gabelte sich die Straße und rechts ging es nach Teheran. Irgendwie waren wir schon ein paar Kilometer von zu Hause weg.  Mittags an einer Bushaltestelle machten wir Rast. Zu uns gesellte sich ein Herr in Anzug, zuerst war die Konversation auf Hand und Fuß beschränkt, bis er uns fragte ob wir englisch sprechen. Ich musste lachen. Auf so einem Trip kommen einem immer wieder verrückte Sachen unter. Er stammte aus Bergkarabach und hatte im Krieg gegen die Armenier alles verloren, war von Beruf Lehrer und war nun vom Staat in eine ausgediente Betonfabrik einquartiert worden und zum Nichtstun verdammt. Traurig, wie heute noch mit Menschen umgesprungen wird. An diesem Tag tankte ich beide Tanks voll, das Ding schwappte am Anfang wie ein Tankfahrzeug, aber die Konstruktion funktionierte, die KTM kam 600 km weit. Dirk verlor am  Nachmittag zweimal seine Seesäcke aufgrund gewissenhafter Verzurrung und der Spiegel fiel auf die Straße, denn er wollte anscheinend nicht mehr und Michis Aprillia stank aufgrund schlechten Sprits wie eine russische Isch . Irgendwann kurz vor Baku benötigte Dirk dann noch fehlende Schrauben. Genial, der Autoteile – Laden war neben einem Restaurant und ich trank den besten Tee auf der Tour. Heißer, schwarzer Tee mit Nelken und Zitrone. Trinke ich jetzt zu Hause immer. Weiter geht’s, die Landschaft wird wüstenähnlich und Richtung Hauptstadt nimmt der Verkehr zu. Die Straße stieg an und brachte uns in ein Mittelgebirge, das die Reifen auf eine klebrige Temperatur brachte. Es machte richtig Spaß, um die Kurven zu wetzen. Die Bergstraße wieder runter und Baku lag vor uns. Und das zur richtigen Zeit. Berufsverkehr! Außentemperatur  38 Grad, Kühlerwasser 100 Grad, unter der Jacke 60 Grad. Schleifende Kupplung, zentimeterweise vorwärts bewegend. Es war dunkel als wir das Stadtzentrum erreichten. Ein netter Geschäftsmann machte sich mit uns auf die Suche nach einem Hotel.

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Als wir durch die engen Gassen polterten, aktivierte Michi mit seinem Gespann aufgrund seiner etwas lauteren Auspuffanlage sämtliche Alarmanlagen in den Autos. Ich kam mir vor wie auf der Kirmes. Das Hotel war bald gefunden und nicht weit weg vom Hafen. Den Schweiß herunter duschen, etwas zwischen die Zähne und dann in ein sauberes Bett. Heute war sogar das Schnarchen von Dirk Musik in meinen Ohren.

Unser nächstes Ziel war Turkmensitan auf der anderen Seite des kaspischen Meeres. Hinüber kommt man nur mit dem Schiff. Also begaben wir uns am nächsten Tag in den Hafen von Baku. Fähre geht! 12 Uhr abends und dauert 12 Stunden! Super! Rein ins Hafenbüro, Pass raus, Pass rein , Pass raus, Papiere vom Moped fünfmal hergezeigt. Warten, nächstes Büro, wieder zurück, Warten und dann handeln. Der Bedienstete hatte mitbekommen, dass zwei Motorräder Gespanne waren und fast soviel Platz wie ein PKW auf der Fähre benötigen. Wir kamen uns vor,  wie fliegende Händler auf einem Bazar. Zum Schluss machte der Beamte uns einen akzeptablen Preis. Wir hatten noch Zeit und plauderten dann mit dem Beamten. War interessant, was dir da erfuhren. Aufgrund der riesigen Öl- und Gasvorkommen sei dieses Land sehr reich geworden. Es wird fast nichts mehr produziert, sondern nur noch importiert.  Türken seien keine richtige Moslems, da sie Alkohol trinken und dass er schon mal in Deutschland war. Es war ganz amüsant und zum Schluss schenkte er mir seine,  in Mekka geweihte Gebetskette, die er aus seinem Bürotresor holte und aus blauen Samt auspackte. Sie hängt jetzt bei mir in der Küche an der Wand und erinnert mich immer an diesen Mann.

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Am späten Nachmittag kam dann der Seelenverkäufer, die Waggons wurden herausgezerrt, denn es war eine Eisenbahnfähre und neue wurden mit stinkenden Dieselloks hineinbugsiert. Dann waren wir an der Reihe. Zuerst noch Zoll und dann die Mopeds im dunklen, stickigen Bauch der Fähre neben den Waggons verzurrt. Behängt wie Weihnachtsbäume mit Gepäck, Helm, Seesack und Koffer stolperten wir die Reling hinauf zu unseren Quartieren. Eine kleine herrische, russische Dame wies uns ein. Die Kabine war, wie ich sie erahnte, Standard, wie zu Stalins Zeiten und kein Restaurant an Bord. Egal, Hauptsache der Kutter geht nicht unter! Und dann kam es, wie es auf solchen Abenteuertouren immer kommt, nämlich ganz anders. Als nächsten Tag mittags,  kurz vor dem turkmenischen Hafen, als die Besatzung die Motoren stoppten und Anker warfen und neben uns zwei weitere Fähren vor Anker lagen, wurde uns mitgeteilt, dass der turkmenische Zoll 2 Tage nicht arbeite, weil Feiertage waren.Eiskalt erwischt ! Also ein Tag von unserem 3 – Tages Transitvisa für Turkmenistan waren weg! Turkmenistan sind 1200 km Wüste. Ob das zu schaffen ist?

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Warten, warten, und nochmals warten, eine rauchen, Kaffee kochen und wieder warten. Es war irgendwie wie im Gefängnis. Unsere Verpflegungsvorräte gingen auch langsam zur Neige. Nervte mich alles nicht, nur die Turkmenierin mit ihrem dicken Hintern und ihrem lauten, ordinärem Organ, die man überall auf dem Schiff antraf. Und natürlich hatte sie 24 Stunden am Tag ihre Klappe offen.  Am liebsten hätte ich diese Person den Fischen zum Fraß vorgeworfen. Nun beginnt der Knast auf See, Zimmer sitzen, wenig Essen, Ausgang an Deck und immer wieder dieselben Mitinsassen  und keiner weiß,  wann es weiter geht. Die Passagiere werden langsam unruhig, In unserem Gang bricht ein heftiger Streit aus, in dem auch meine “ Lieblingsfrau“ verwickelt ist. Einem kurdischen LKW – Fahrer ist sie wahrscheinlich auch auf die Nerven gegangen. Der arme Kerl war in derselben Kabine untergebracht. Noch eine Nacht und dann, am nächsten Tag ging ein Raunen durchs Schiff, heute gehen wir an Land. Nachmittags um 15 Uhr rasselten die Ankerketten nach oben und der Kahn setzte sich langsam in Bewegung. Vorbei an verrosteten Frachtschiffen, die im Hafen abgesoffen waren und nur noch die Kommandobrücke aus dem Wasser ragte. Die Landschaft hatte sich hier in Turkmenistan verändert, karge Felsen und weißgetünchte,  flache Häuser. Ein Turkmene empfahl uns hier in der Hafenstadt Türkmenabad ein Hotel, wenn der wüsste, wie es uns pressiert ! Die Mopeds aus dem Schiffsbauch und dann zum Zoll. Irgendwie war das ganze ein Spießrutenlauf, den ich gar nicht näher beschreiben will. Kugelschreiber leer, schmerzende Finger vom Schreiben, der Geldbeutel dünner und müde Füße vom Schalterwandern. Raus hier, aber flott ! Innerhalb von einigen Kilometern gleich mal 2 Polizeikontrollen. Etwas unfreundlich, aber egal, waren ja gerade 5 Stunden beim Zoll.  Am anderen Ende der Stadt waren riesige Tanks, in den Gas gelagert wurde. Es wurde dunkel und wir hatten Orientierungsschwierigkeiten,  Straßenschilder sind anscheinend Bleche, die auch woanders ihre Verwendung finden. Dirk hätte beinahe einen großen Hund mit seinem Gespann niedergewalzt und zu guter letzt fanden wir doch aus der Stadt. Wir hatten Verpflegungs – Nachholbedarf und steuerten eine Karavanserei an.  Es gab Schafsfleisch, das zwar bei mir kein Entzücken hervorruft, aber dennoch den Hunger stillte und zwar zwölf Tage, aber dazu noch später.

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Essen macht müde! Noch ein paar Kilometer und die Wüste gehörte uns. Als ich mit der Taschenlampe mein Zelt aufbaute, stellte ich fest: überall Erdlöcher. Was mögen da wohl für Tiere hausen ? Bloß den Reißverschluss vom Zelt ganz zu! Am nächsten Morgen werde ich von Sonnenstrahlen und Kaffeeduft geweckt. Dirk hatte schon Kaffee gekocht, wenn der Titten hätte…

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Wir drei sitzen beim Kaffee, als ein Baustellenkipper stehen bleibt und alle sechs Insassen sich in unsere Richtung hasten, wir waren die richtige Abwechslung in dieser öden Landschaft. Vor lauter Aufregung hatte der Fahrer die Handbremse nicht angezogen und rannte nun auf dem abschüssigen Terrain seinem Gefährt hinterher.  Die Bande löste kurze Zeit später ein Isch – Fahrer ab, es bewahrheitet sich immer wieder, Motorradfahrer brauchen keine Sprache, sie verstehen sich immer.  War ein netter Kerl, der sein Motorrad ohne Bremsen bewegte, da er keine Ersatzteile mehr bekam. Hallo TÜV, hört mal her! Heute 600 km durch unbekanntes Land und auf unbekannten Straßen und es hatte am morgen schon 28 Grad. Wilde Kamele waren unsere Wegbegleiter. Gefährlich, weil sie auch  die Straße  beanspruchten.  Manchmal wurde es lebensgefährlich, vor allem wenn Michi vor mir fuhr und durch seinen lauten Auspuff, die Wüstenschiffe vor Schreck sich aufbäumten. Dann kam eine Blamage meinerseits: Polizeikontrolle und der Beamte  fragte Dirk, der vor mir stand : Cola, Fanta? Ich legte gleich los: so ein ….., wo sollen wir denn Getränke hernehmen, hier ist doch nur Wüste. Moment, sagte der Polizist und wies auf die gegenüberliegende  Polizeistation, aus der uns sein Kollege eisgekühlte Cola und Fanta brachte. Mir fiel nichts mehr ein, erst die netten Leute mit dem LKW, dann der Motorradfahrer und jetzt noch die Polizei. Ich war gerührt .

Die Gesteinswüste wechselte jetzt in eine reine Sandwüste und wehte das beige,  rieselnde Etwas über die Fahrbahn, so dass sich teilweise auf der Straße kleine Dünen bildeten. Eine Tankstelle zwingt uns zur Rast und zum Schraubenschlüssel, Dirks BMW – Gespann war an den Anschlüssen gebogen, so dass sich Motorrad und Seitenwagen zueinander neigten, wie ein verliebtes Paar. Eine Stunde später lief das Ding wieder gerade, dank des hilfsbereiten Tankwarts. Die Trasse war miserabel und die Gespanne tanzten über die Schlaglöcher, teilweise wurde im Stehen gefahren, der Himmel zog sich zu und die Landschaft wurde trostlos. Nachmittags, bei einer kurzen Pause am Straßenrand gesellte sich ein junger Hund zu uns, Grundfarbe  weiß mit braunen und schwarzen Flecken, struppiges Fell und mager. Dies konnte sich Dirk nicht mit ansehen, die eiserne Reserve Kochsalami wurde in Scheiben an den Hund verfüttert.  Asgabat, die Hauptstadt war nicht mehr weit, und plötzlich wechselte der Straßenbelag. Frischer Asphalt und vierspurig, typisch für den Osten,  vor und hinter den Städten ist die Straßen 20 km gut. Dann kommen die ersten Vororte und rechter Hand eine gewaltige, blaue Moschee mit goldener Kuppel und vielen Minaretten,  um ein vieles größer als alle, die ich bisher gesehen hatten. Majestätisch ragte sie über die flachen Dächer der Vororthäuser. Das prächtige Bauwerk von Turkmen war beeindruckend und funkelte in der wieder erschienenen Sonne. Immer wieder drehte ich mich während der Fahrt nach rechts um einen Blick auf dieses Gebäude zu erhaschen. Gewaltig!

Der Verkehr wurde dichter und artete nach kurzer Zeit in ein Gewühl aus, als wir uns dem Zentrum näherten. Wir suchten einen Supermarkt und schon war ein freundlicher Turkmene zur Stelle. Er geleitete uns dort hin , nachdem vorher noch schwarz Geld getauscht wurde. Ich bewachte die Bikes, während die zwei einkauften. In der verfluchten Stadt war in der Öffentlichkeit Rauchverbot. Was es alles gibt, um mich zu ärgern.

Ich lümmelte auf meiner KTM und lies die Augen immer wieder zu den Gespannen schweifen.  Der Schweiß tropfte die Hosenbeine entlang in die Stiefel. Dann kam ein junges Pärchen, blieb unruhig und verstohlenen Blickes vor mir stehen und sie fragte mich dann, ob ich sie mit den Motorrädern im Hintergrund photographieren würde. Das lustige war, sie küssten sich dabei.  Ich weiß nicht wie viele Kameras und Handy ich in der Wartezeit in der Hand hielt, aber es waren einige. Viele Mopeds kommen hier anscheinend nicht durch. Zuletzt kam es noch richtig hart !  Der Platz war direkt an einer Kreuzung und ein Autofahrer setzte vor lauter Gaffen auf die Mopeds, seinen Lada in die Breitseite eines Opels. Verkehrsstillstand! Endlich war der frische Proviant da und auch noch warmes Bier in alten Limonadenflaschen. Die zwei wenn nichts zum Saufen bekommen, gibt es ein Problem, die schrecken nicht einmal vor warmen, turkmenischem Bier zurück .Unser neuer Freund jonglierte uns noch durch den Berufsverkehr Richtung Mary, aus der Stadt, gab uns noch ein paar Ratschläge und verabschiedete sich. Es war mittlerweile die Dunkelheit hereingebrochen und wir  jagten unsere Stahlrösser über den sich abkühlenden Asphalt mit der Hoffnung auf ein Hotel. Das Hotel hieß aber dann „ links von der Straße auf ausgetrocknetem Lehm“. Die Häringe bohrten sich nur mit Mühe in den steinharten  Boden, während der verschwitzte Rücken von den ekelhaften Mücken ausgesaugt wurde. Matratze aufblasen, Schlafsack aus dem Sack, Koffer und Rolle hinten in das Schlafgemach und die stinkenden Stiefel komplettieren die persönlichen Geruchsnote. Zelt zu wegen den Blutsaugern, den Tag im Kopf passieren lassen und zufrieden einschlafen. Aber nur ein paar Stunden und plötzlich bekam ich einen Erstickungsanfall. Überfall war mein erster Gedanke! Weit gefehlt, es war ein Sturm aufgekommen und riss die Häringe aus dem Boden, die Zeltplane stülpte sich über mein Gesicht und hinderte  mich am Atmen. Die Zeltstangen waren auch verbogen. Am Morgen war der Spuk vorbei und die Sonne strahlte über unserem Zeltplatz Wir saßen vor unseren Zelten, genossen den frischen Kaffee und die kühle, frische Luft und das Panorama der iranischen Berge vor denen die Hauptstraße verlief. Hier wurde mir eigentlich zum ersten Mal bewusst, wie weit wir von zu Hause weg waren.

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Kette schmieren, Motorölkontrolle, Moped packen, geht schon ganz gut, jeder Handgriff sitzt. Tageskilometer auf Null, Barometer  und Höhenmeter abgelesen, den Motor anlassen und schon saugt er die frische Morgenluft in die Vergaser. Ein paar Meter und er läuft rund, jetzt poltert die KTM raus auf die Hauptstrasse und zerrt wieder an meinen Armen. Immer wieder kommt mir Dennis Hopper und Peter Fonda in den Sinn, die so etwas vor über 30 Jahren machten und viele Verrückte vor uns. Ein Glücksgefühl überkommt mich und trägt mich völlig zufrieden die Straße entlang.  Und gleich wieder etwas Eigenartiges.  Wir standen am Straßenrand und machten die erste Pause, genau dort, wo eine Wasserpipeline unten durch die Straße führte. Michael hatte es eilig, um hinter der Pipeline zu verschwinden, denn es hatte der 12 Tage anhaltende Durchfall eingesetzt. Hat Dirk und mich kurz später auch erwischt.  Genau hier kam zu uns ein Turkmene über die Straße und bestaunte unsere Bikes. Nichts besonderes, aber der war rotblond und hatte Gesichtszüge wie wir. Mich interessierte der Mann, aber Hand – Fuß Sprache erbrachte leider keinen Erfolg. Hätte mich brennend interessiert, wie es die Vorfahren des Mannes hierher verschlagen hatte. Er war technisch sehr interessiert und fragte uns ob die Motorräder Dieselmotoren  haben. Wäre mal ein Vorschlag für die Motorradindustrie, so ein kleiner spritzige Turbodiesel. Kurz später gibt es etwas zu besichtigen. Überreste einer 2000 alten Mongolensiedlung war zu bestaunen. Die hatten damals schon mit Ziegeln gemauert und das Ganze mit Lehm verputzt.

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Es war wieder richtiges Wüstenwetter, gegen Mittag zeigte das Thermometer 40 Grad im Schatten, bloß es war keiner vorhanden. Die Straße war katastrophal und in den Stoßdämpfern kochte das Öl. Die Reifen erreichten eine Temperatur, die man besser nicht mit der bloßen Hand prüft. Wir passieren die Stadt Mary und ab jetzt geht es nach Norden, Richtung Usbekistan. Heute Abend müssen wir an der Grenze sein, das Transitvisa läuft aus. Die Straße ist klebrig und man hört die Reifen singen. An einem Fluss, in dem sich die Kinder und  auch Kühe Abkühlung verschaffen, können meine beiden Kameraden nicht mehr widerstehen. Rein ins Naß! Ich mache es mir einstweilen unter einem Olivenbaum mit einer Zigarette bequem.  Jetzt ist ringsum nur feiner Sand und Dünen und dann kommt es richtig dick. Ein Sandsturm! Ist äußert angenehm, wenn der feine Sand in den Augen brennt und zwischen den Zähnen knirscht

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Halbe Stunde, dann war der Spuk wieder vorbei. Immer wieder schlug unter dem Fahren etwas gegen meine Brust. Hier gibt es doch keine Steine! Beim nächsten Halt sah ich dann die Riesen- Heuschrecken am Boden sitzen, die uns während der Fahrt anfielen. Gegen Abend erreichen wir  Turkmenabat. Nach dem dritten Mal fragen waren wir dann auf der richtigen Strasse, bloß leider verkehrt in die Einbahnstrasse und wir stäubten wie die aufgescheuchten  Hühner auseinander , als vier Autos nebeneinander auf uns zufuhren. Gott sei Dank hatte uns der Polizist am Ende der Kreuzung nicht bemerkt und wir verschwanden unerkannt in einer Tankstelle. Letztes Mal auftanken und mit dem besoffenen Tankwart streiten, weil er sich zu seinen Gunsten verrechnet hatte. .Anschließend fuhren wir die Prachtstraße entlang, in der ein Palast nach dem anderen protzte,  mit Palmen und Marmortreppen geschmückt. Alles intensiv beleuchtet. Gas bringt Geld, aber anscheinend nur in der Stadt. Draußen am Lande leben die Leute in bitterer Armut. Trotz des Geldes haben sie für Straßenschilder nichts über, weil unser Weg zur Grenze sich wieder zu einer Stadt – Odyssee entwickelte. Ein freundlicher Autofahrer erkannte unsere Not und führte uns durch dunkle Gassen und ein Industriegebiet zu einem Posten, wo eine Menge LKWs warteten. Endlich! Denkste, es war nur die Mautstation für eine Pontonbrücke über den Fluss. Papierkram, Geld wechseln und nach einer Stunde über die Schwimmbrücke. Aber wo ist die Grenze? Prompt wieder verfahren und dann trafen wir ein junges, sehr hübsches Mädchen, das englisch sprach und uns ausführlich den Weg beschrieb.

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Um 22 Uhr waren wir dann an der Grenze.  1200 km in zwei Tagen durch die Wüste, abgekämpft und verschwitzt, die Nerven blank und hundemüde. Ich wies den Soldaten an, er solle das Tor öffnen, weil unser Visa ablaufe. Und jetzt kommts: Die Grenze ist von 20 Uhr bis um 8 Uhr morgens geschlossen.  Und jetzt? Warten bis morgen früh,  meinte der Soldat und wir schlugen unsere Zelte direkt vor dem Grenztor auf. Dirk schnarchte sofort los, so dass die Soldaten ihre Wachhunde einsperren konnten. Hatten wir auch noch nicht, Camping am Grenztor, noch nicht wissend, welches Theater uns die nächsten Tage punkto Visa erwarten würde. Verstehe ich nicht, warum die Grenze einer Haupttransitroute nachts geschlossen ist.  Halt doch, wir sind hier im Orient! Am nächsten morgen hatte die Magenverstimmung auch bei mir zugeschlagen, ich schaffte es gerade noch hinter die Büsche und die Motorradhose blieb verschont. Dann rein zum Zoll, aber schon gleich bei der ersten Kontrolle, der Pässe, waren wir dran, jedenfalls Dirk und ich, l Michis Visa für Turkmenistan war ein Tag länger ausgestellt. Die haben in Deutschland auf der Botschaft schon geschlampt. Kurzum „ Ausreise verweigert!“ 600 km zurück in die Hauptstadt Asgabat, zur Ausländerbehörde und Visa verlängern lassen, hieß es. Ich drehte mich gleich um und musste lachen, die Idioten. Muss dazu bemerken, war 20 Jahre im internationalen Güterverkehr im LKW unterwegs und kenne dieses Gesinde sehr gut. Es geht hier ums Geld, die lassen dich ein paar Stunden braten, dann gibt es die Lösung: Baksisch ! Ich sagte dem Beamten, ich fahre nicht nach Asgabat, egal ob ich hier übernachten muss, wir waren gestern um 22 Uhr auf der Grenze und wenn ihr die Grenze schließt kann ich nichts dafür. Den sein Gesicht hättet ihr sehen sollen.Kommt Zeit kommt Rat! 3 Stunden später rauf zum Chef. „Please everybody 180 Dollars and you can leave the border“ Tat er ganz großzügig. Na geht doch! Michi teilte dann großzügiger Weise die Strafe mit uns. Die Zollabfertigung war genau so kompliziert, wie bei der Einreise.Zu guter letzt filzten sie unser Gepäck und prompt fanden sie bei Dirk ein Laptop, das er bei der Einreise nicht deklariert hatte. Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen, als ich Dirks verdutzte Miene sah. Im selben Augenblick, kam ein anderer Beamter und machte seinen Kollegen zur Schnecke. Das sind Deutsche,  er solle ihn in Ruhe lassen. Um 13 Uhr düsten wir dann rüber zum Usbeken. Die waren viel lockerer, aber das Transitvisa konnten sie uns auch nicht verlängern. Kurz darauf zu einer adretten Dame vom Zoll, die nur pro Forma einen Koffer von jedem sehen wollte und freundlich war sie außerdem. Die Koffer kamen dann in ein deutsches Zoll – Röntgengerät. Keine Drogen, keine Waffen und tschüss. Mit der hätte ich noch gern einen Kaffee getrunken.

Aber dann wäre mein Zweizylinder – Mädchen gleich wieder eifersüchtig geworden.

Noch 300 km nach Samarkand und die Straße ist eine Federbein – Teststrecke. Die Polizeiposten fordern uns immer wieder auf, einen Wheely hinzulegen. Die armen Gespanne.:-))).  Nachmittags musste ich oft schlagartig vom Moped, ihr wisst schon warum, und dann besorgte ich mir  WC – Papier. He Leute, so was habt ihr noch nicht gesehen, rau wie ein 40er Schmirgelpapier und durchlöchert, ja mehr Löcher als Papier. Schade, dass ich davon kein Foto habe. An einer Tankstelle fragte ich nach der Toilette. Der Tankwart erklärte, mir,  er verfüge über keine, vor der Tankstelle wäre eine Wiese, auch geeignet für große Geschäfte…. Gedanken haben die, so direkt an der Hauptstraße!Der südliche Teil von Usbekistan ist von Landwirtschaft und Weinbau geprägt und Kolchosen herrschen hier noch vor. Die großen breiten Straßen führen schnurstracks durchs Dorf, vorne das Haus und hinten der Garten nebeneinander wie Dominosteine.Eine kleine Kneipe lädt uns zum heißen Tee ein. Es gibt nichts besseres, als heißen Tee, stark und süß, an heißen Tagen. Das wussten schon die alten Nomaden.Die Leute hier sind anders als die Turkmenen, lachen und sind locker drauf, doch wohl hier überall noch die russische Herrschaft aus alten Tagen zu sehen ist. Irgendwie habe ich den Eindruck, sie genießen auch in bitterer Armut dennoch ihre Freiheit. Abends hat sich Sarmarkand schon in Dunkelheit gehüllt, als wir es erreichen, fast nicht verfahren und an einer Tankstelle fragten wir nach einem Hotel. Es wurde sofort für uns recherchiert und Michi wurde sogar noch mit dem Auto zur Zimmerbesichtigung gekarrt und Dirk und ich wurden einstweilen mit Getränken und Keksen vollgestopft.  Richtig nette Leute!

Das Hotel war das beste der Stadt, schätze ich mal.  Moped – Parkplatz im abgesperrten, bewachten Hof, Hoteleingang und innen alles Marmor, gepflegt und makellos, die Jungnutte räckelt sich neben einem Geschäftsmann auf der Sitzgruppe. Musik und alles sehr gepflegt und dann wir: ungewaschen, mit Bartstoppeln und eingestaubten Motorradklamotten die durch ihren Geruch die Fliegen umfallen lassen,  schwarze Fingernägel, verdreckte Koffer und Gepäckrollen, Stricke,  Riemen, Helme voller toter Fliegen, Falten in der Gesichtshaut und müde Augen. Hier passen wir genau rein! Ich, Einzelzimmer und die Herren Ingenieure, ins Doppelzimmer. Duschen , Unterhosen waschen und dann schaute ich aus dem Fenster hinaus in den Innenhof. Ein Paradies mit Springbrunnen, blühenden Sträuchern und einigen Palmen. Unter denen fanden sich Sitzgruppen, gefüllt mit Leuten, die sich bei einem Glas Wein angeregt unterhielten. Kein Usbekisch , russisch oder englisch, nein es war deutsch, schlimmer noch, schwäbisch. Gehobene Angestelltenrasse mit Getue und Gehabe. Leicht angeheitert und mit schallendem Gelächter, das der Innenhof hallte. Sie waren mit Touropa hier, der Bus stand um die Ecke. Das war eine andere Welt, runter mit dem Flieger, rein in den Bus und Kulturschnellprogramm, abzocken und keinen Kontakt zu Land und Leute. Wohlbehütet und bewacht, mit Dolmetscher. Nicht wie wir, wenn wir was wollten, mit Händen und  Füssen  reden mussten. Zuhause die Kings, weil sie in Zentralasien waren. Abenteuerurlaub aus der Dose! Mache beruflich auch so etwas, aber privat müssten sie mich vom Motorrad schlagen, dass ich das nicht mehr solche Abenteuer mache.

Genug gelästert, ab ins Bett und sofort in Tiefschlaf gefallen. Aber nicht lange, es klopft und rumpelt an der Tür und das mit einer zähen Heftigkeit, gleichzeitig klingelt mein Handy pausen los. Ich war noch ziemlich schlaftrunken und hatte keine Ahnung, was jetzt los war.War auf alle Fälle dringend! Vor der Tür rief jemand meinen Namen. Das waren meine Kumpels! Ich torkelte  zur Türe und öffnete. Hiobs – Botschaft! Da unser Visa um 24 Uhr ablief, das war dem Empfangschef vom Hotel plötzlich um 23 Uhr aufgefallen, hatten wir kein Recht, noch länger im Hotel zu verweilen. Im Ernst, es war so! Unterhosen nass, todmüde und jetzt das. Lachen oder Heulen, egal,  packen und ab! Zur Grenze sind es noch 100 km. Unterwegs verloren wir noch Michi, aber dank GSM fingen wir ihn aber wieder ein. 2.30 Uhr standen wir vor gesenktem Schlagbaum. Bevor wir uns nach einem Schlafplatz umschauten, öffnete sich dieser und wir wurden herein gewunken. Freundlich grinsend betraten wir das Zollgebäude und spendierten dem Beamten freizügig Zigaretten, denn unser Visa war seit 2,5 Stunden abgelaufen. Er blätterte im Pass und schon waren wir enttarnt! Wir leierten ihm unser Missgeschick mit Nichtverlängerung der Visa und dem Zoll in Turkmenistan ( Feiertage) herunter, was ihn aber anscheinend nicht beeindruckte. Er nahm die Pässe und ging aus dem Raum, wir flüsterten von Dollars, Ausländeramt und Wartezeit. Hatten ja schon Erfahrung. Kurz darauf kamen die Beamten zu zweit wieder.

Seinen Kollegen hatte er aus dem Schlaf gerissen, den dem standen die Haare noch zu Berge und wie der grimmig schauen konnte!  Der wollte glaube ich, keine Zigaretten. Nach langer Diskussion, Rechtfertigung und Betteln konnten wir dann doch unsere Ausreisestempel erhalten. 500m weiter war der Tadschike, Locker, ohne Uniform – Jacke und die Krawatte lagen irgendwo. Einer plärrte aus dem Fenster „ Money – Money „ und grinste übers ganze Gesicht. Also rein und Hallo, „ Da, germansky, tourist „ He, der fragte uns gleich, ob wir auf den Pamir wollen, den Hochgebirgspass. Der kannte sich aus. Der Papierkram zog sich zwei Stunden dahin, weil sie alles dreimal aufschreiben mussten und immer wieder die Pässe mit den Zulassungsscheinen der Bikes vertauschten. Wir mussten  uns umdrehen, dass sie unser Lachen nicht sahen. Wir wogen uns in Sicherheit , denn wir hatten ein normales Touristen - Visa für einige Wochen. Im Ganzen war es ein lustiger Aufenthalt. Die Schweißperlen treiben mich mittags aus dem warmen Zelt, außerdem hatten sich zu den vertrauten Stimmen andere dazugesellt. In Unterhosen begrüßte ich kurz die Besucher vom Dorf und verschwand  sofort hinter einem Baum, der Darm war immer noch auf Kriegsfuß mit mir. Doch wohl wir viel Flüssigkeit zu uns nahmen, war der Körper durch dieses Malheur schon ziemlich geschwächt, beim Anziehen der Stiefel wird mir schwarz vor den Augen. Her mit dem Kaffee und eine Zigarette, belastet zwar den Kreislauf zusätzlich, aber das muss sein. War irgendwie schade, dass wir uns mit den Tadschiken nicht unterhalten konnten, hätte gerne was über das Land erfahren. Wir sind hier schon am Rande des westlichen, zentralasiatischen Bergmassives, wie ihr auf dem Bild seht. Die Luft ist frisch und klar und wir  befinden uns schon fast auf 1500m Höhe. Wir verabschieden uns freundlich und starten unsere Boliden. Neuer Tag, neues Abenteuer!

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Der Sprit geht zur neige und im nächsten Dorf werden wir sogar fündig. Eine Zapfsäule, mit Zeiger zum Drehen, vorher bezahlen und der Tankwart dreht den Zeiger auf die bezahlte Menge und schaltet die Pumpe ein, egal ob der Tank deines Mopeds übergeht, oder nicht.

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Neben der Zapfsäule ist ein Regal mit gebrauchten Colaflaschen, in denen befindet sich Öl .Die KTM verträgt jetzt nach 4000 km einen halben Liter Motoröl. Der Tankstellenbesitzer reicht mir eine Flasche und ich frage ihn: Ob es gutes Motoröl sei. Er versicherte mir, sehr gut, fahren sie alle in ihren Autos. Da ich meine KTM liebe, schraubte ich die Flasche auf und roch: GETRIEBEÖL  !!!! Auch die anderen Flaschen! Was lernen wir daraus: Russenauto fahren mit Getriebeöl im Motor. Dirk, der nette Kerl gibt mir was von seiner eisernen Ration, der wenn Titten hätte… Weiter geht’s. Rechts ist ein größeres Gebäude und die Leute knien davor auf einer Terrasse und beten. Frauen und Männer getrennt. Um so ärmer um so gläubiger, denke ich im Vorbeifahren. Das Wetter schwenkt um, dunkle Wolken ziehen auf und wir suchen Zuflucht unter einen Baum und nutzen die schützenden Blätter um uns eine Suppe zu kochen.

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Die heiße , wohltuende Suppe war noch nicht ganz ausgelöffelt, der Regen lies nach und wir hatten schon wieder Besuch. Ein alter Daimler blieb stehen. Woher, wohin, wie schnell, wie viel Dollar, Deutschland ? Mir war aufgefallen, dass das Schloss des Kofferraumdeckels herausgebrochen war. Der wird doch nicht gestohlen sein? Mein alter Golf kommt sicher nicht nach Tadschikistan, der hat keinen Stern auf der Motorhaube. Einige Kilometer später,  ich weit voran, war die Straße fast unbefahrbar. 30 cm Schlamm! Mit Vollgas durch und nicht auf die Fresse gefallen, hatte noch mal Glück. Am anderen Ende stieg ich ab, weil das Schauspiel wollte ich mir geben, das mit Dirk und Michi. Ein Bild für Götter, wie sie es bemerkt hatten und den Gashahn aufdrehten. Der Schlamm spritze fontänenartig hoch und schwappte  über die Frontverkleidung. Dirks BMW glich einer R 75 im Rußlandfeldzug. Das Tal wurde enger, die Berge höher und dann war es vorbei mit Asphalt  Aber gleich ordentlicher Schotter und eine nicht Vertrauen erweckende Brücke , deren Belag aus losen, glatten Eisenplatten bestand .Uns wurde klar, jetzt ist es soweit, das eigentliche Abenteuer beginnt! 2 Gänge runter und die überladenen Motorräder mit tausendprozentiger Konzentration auf dem Schotter tanzen lassen. Mein „ Katherl“ steckte das weg wie nichts und die Federung war gut abgestimmt.  Meine beiden Kameraden taten sich da schon härter. Die Gespanne waren behebig und außerdem mussten sie immer zwei Schlaglöchern gleichzeitig ausweichen. Schwerstarbeit! Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit  verlangsamte sich abrupt .und die Angst  vor Stürzen und Schäden am Fahrzeug waren jetzt die neuen Gedanken. Langsam mit den jungen Pferden, heißt ein altes Sprichwort.

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Vor diesem wunderschönen Panorama mit seinen vielfarbigen Gesteinsarten, verweilten wir und uns gegen über auf der anderen Straßenseite blieb ein Knabe mit seinem Esel stehen. Er betrachtete uns argwöhnisch, aber Dirk konnte ihn dennoch zu einem Foto überreden. Der kann es echt mit Kindern. Und als er seine Digitalkamera umdrehte, um ihm das gelungene Foto zu zeigen, sprang der Junge erschrocken vom Esel und flüchtete über die Böschung hinunter zum  Fluss. War eine ganz eigenartige Situation, tat mir leid der Junge. Hatte wahrscheinlich so etwas noch nie gesehen, oder das Ganze hatte einen religiösen Hintergrund. Na ja, wir hatten wieder etwas dazu gelernt.

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Die Landschaft versetzte uns immer wieder in Staunen. Man musste aufpassen, dass man vor lauter Bewundern nicht unfreiwillig die Strasse verlässt. Gott hat eine wunderschöne Welt erschaffen! Die Straße wurde noch heftiger und wir mussten oft in den ersten Gang.

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Wildbäche flossen über die Straße und mussten durchquert werden. Der Lüfter der KTM schaltete sich aufgrund der langsamen Geschwindigkeit ein und ich hatte Bedenken, dass er die Batterie schwächen würde. Mit durstigen Kehlen gelangten wir zur einer Raststelle, das vermeintlich klare Wasser floss eiskalt am Felsen entlang. Ich nahm ein paar Schluck aus der hohlen Hand von dem erfrischenden Nass, als plötzlich rechts von mir jemand laut auf mich einschimpfte.  Was ist jetzt los? Blickte zu Ihm hinüber, er deutete auf zwei Männer, die weiter oben ihren Lada wuschen. Dieses Wasser rann am Felsen entlang und genau in meine Hand. Bedankte mich und außerdem war es bei meinem Durchfall sowieso egal.

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Der ältere Herr der mich warnte, hatte schon einige Gläser Vodka in seinem Blut, stieg dann in seinen Moskwitsch und brauste davon. Wir folgten kurz darauf und schluckten anständig Staub. Es war nicht möglich,  ihn auf der schmalen Straße zu überholen , so betrunken fuhr er in Schlangenlinie. Und wieder überraschte uns an diesem Tag die Dunkelheit. Es war nicht einfach auf der schlechten, staubigen Straße, ohne Leitplanke im Blindflug  bei Nacht,  mit dem Fluss, der unten in seinem Bett vor sich hingrollte, keinen Kontakt aufzunehmen. Bei solchen Aktionen dachte ich oft an den alten Türken im Zug , der uns davor warnte, bei Dunkelheit zu fahren. Der wenn uns sehen würde! Im nächsten Dorf war links ein Bushäuschen aus Beton und ich schlug dieses als Nachtlager vor. Michi war wegen der LKWS, die hier in der Nacht entlang donnerten, nicht begeistert. Staub und Lärm, er hatte recht. Weiter! 3 km später ein Parkplatz, rechts unterhalb mit ein paar Bäumen. Ideal! Als wir das Gepäck vom Motorrad packten, kam der Besitzer schon angerannt. Nein hier wird nicht gezeltet, mitkommen! Wir bekamen eine Hütte mit Betten. Er hatte nämlich eine Pension und anständiges Frühstück gab es am nächsten Morgen auch. Was der Zufall oft einmal mit einem vor hat .Was an diesem Ort auch noch bemerkenswert war, dass es hier Kohlevorkommen gab und der Berg innen brannte! Ja im ernst, aus manchen Entlüftungsschächten quollen aus dem Berg Rauchschwaden.  Auf der rechten Seite von uns war eine fantastische Felsformation und man konnte sehen, was die Natur in der Urzeit für gewaltige Kräfte hatte.

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Gut gestärkt verließen wir nach dem Frühstück, den Ort und unser Ziel war heute Dushanbe, die Hauptstadt von Tadschikistan. Irgendwann müsste die Strasse mal besser werden, da sie in die Hauptverkehrsstrasse M 34  einmündet und dann Richtung  Süden verläuft zur afgahnischen Grenze. Dachten wir, aber wir dachten nur. Kurz nach der Einmündung in die Hauptverkehrsader wurde es noch heftiger. Hier bauten auf einer Strecke von 100 km die Chinesen für das Land eine neue Straße, nicht aus Eigennutz, da sie selbst Interesse haben, von China aus über die Seidenstrasse nach Russland zu gelangen. Die Baustellenkipper hüllten uns in endlose Staubwolken, in denen es schwer war sich zu orientieren und immer wieder versperrten uns Bagger den Weg, die riesige Gesteinsbrocken in den Kippermulden versenkten. Starker Schotter lies unsere Motorräder über die Fahrbahn schwimmen. Immer wieder an den Abgrund gedrängt, weil überladene LKW bergauf nicht stehen bleiben konnten und wir blickten mit unwohlem Gefühl den Abgrund hinunter, der keinen falls durch Leitplanken gesichert war, schluckten den Staub und Dieselgestank, fuhren fast alles im ersten Gang und die Arme begannen zu schmerzen. Irgendwann wurde es leichter und wir fuhren von nun an immer bergwärts. Laut unserer Karte musste jetzt irgendwann der berüchtigte Tunnel am Pass von Anzob kommen. Bei unserer Internet -Recherche erfuhren wir, dass Motorräder auf LKW verladen werden, weil sich im Tunnel wegen des Baus noch sehr viel Wasser und Schlamm befand. Kurz vor der Abfahrt gab es dann grünes Licht, der Tunnel war frei, was uns auch unterwegs ein Einheimischer bestätigte. Die Auffahrt dorthin war eine Moto – Cross – Strecke und ich bewunderte die LKW mit ihrer schweren Last, die von einem Schlammloch zum anderen ächzten. Wie der alte Russenschrott das wegsteckte, war mir unerklärlich. Plötzlich standen wir mitten in einer Baustelle, Zementsilos, Betonmischer, Unmengen an Schotter, Mischanlagen und einige Arbeiter. Hinter der Baustelle erblickten wir die Tunnelröhren. Ein schauderhafter Anblick, rechte Röhre war noch im Bau und aus der linken quoll blauer Dieselqualm, wie aus dem Auspuff eines alten Kamaz. Ich fuhr etwas näher hin, um die Sache genau zu betrachten. Da sprang auch schon ein Arbeiter herbei und legte  mir klar, dass ich da nicht hineinfahren könne, aber nicht, weil ich dort drinnen ersticke, sondern weil mir das Wasser bis zur Brust gehen würde, was er mir demonstrativ an seinem Körper darstellte. Das war das einzige Mal, dass ich bei der Tour vor einer unlösbaren Wand stand. Zurück geht nicht und über den Norden ausweichen, das usbekische Visa war abgelaufen, Ausweichroute gab es keine und der Pass über den Berg war zerstört. Ich wusste nicht weiter!

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Michi war fest davon überzeugt, dass wir hier durch müssen. Wenn die KTM Wasser ansaugt ist der Motor hinüber, wenn unten im Wasser Steine sind,  flieg ich in die graue Brühe und ertrinke, unter dem Motorrad eingeklemmt. Angst überkam mich, ja richtig,  mich alten Haudegen. Dann kam ein Betonmischer-Fahrer und erklärte uns, dass das Wasser nur am Anfang tief sei, wir sollten hinter ihm herfahren, er kenne die seichten Stellen. Also mein Gepäck auf die Gespanne verladen, dass ich besser manövrieren konnte, Dirk vorn und Michi hinter mir.  Noch mal eine tiefen Atemzug von der frischen Gebirgsluft und dann rein in die qualmende Röhre. Das Wasser reichte bis zum Tank. Eiskaltes Gebirgswasser tränkte die Hose und floss in die Stiefel, aber die KTM lief noch. Es wurde dunkel und wir orientierten uns an den Rücklichtern des LKWs. Wie eine Amphibie tauchte Dirks BMW vor mir ein, aber alle Mopeds liefen immer noch und plötzlich wurde es seichter, der Fahrer hatte recht. Bloß jetzt mussten wir Wasserfontänen ausweichen, die aus dem frisch betoniertem Boden schossen, oder auch von der Decke prasselten. Es war ein schauriges Schauspiel und der Tunnel war stockfinster und fünf Kilometer lang. Beinahe hätte ich dem lieben Gott eine Wahlfahrt versprochen, wenn ich hier lebend rauskomme. Das letzte Stück mussten wir dann auch noch stehen bleiben, weil ein riesiger Radlader die Schalungswand für den Tunnel versetzte. Zentimeterarbeit! Dann waren wir draußen und froh, das wir das Abenteuer überstanden hatten. Hose aus, Socken aus, Stiefel ausschütten und die Füße in den warmen Sonnenstrahlen trocknen. Ein Vorteil hatte der Tunnel, die fünf Kilometer lange Waschstrasse hatten unsere Motorräder gewaschen. Den Tunnel bauten übrigens Iraner.  Nun ging es hinab ins Tal und wir trafen auf ein Lager chinesischer Bauarbeiter. Die schlafen hier in 3000m  Höhe in Zelten und unter den Eisenflechtern waren auch Frauen. Teilweise  hingen an ihren Körpern nur Lumpen und ihre Gesichter waren rostfarben und schwarz.

Mittags kehrten wir ein. Die Terrasse war überdacht, daneben rauschte der Wildbach und alles war lindgrün gehalten, mit Bettgestellen zum Ausruhen und die Küche war unten in einer Felshöhle. Begrüßte die Chefin und öffnete ganz frech die Deckel der Kochtöpfe, um mich über ihre Kochkünste zu informieren. Deutete dann in den Topf mit der Suppe und streckte ihr 3 Finger entgegen. Ok, dreimal Suppe. Wieder zurück, stand der Tschaij schon am Tisch und der 10 jährige Sohn bediente uns ganz beflissen und mit großer Freude. Als wir unsere Suppe löffelten, kam dir Wirtin und fragte „ Fisch ? „ Kann doch nicht sein, dass der hier auch Fisch heißt, aber als sie mit der Hand Schwimmbewegungen machte wie ein Fisch, bestellten wir. Halbe Stunde später kam sie mit goldgelb frittierter Forelle. Die beste Forelle meines Lebens.

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Die Straße wurde besser, der Schotter war fein gewalzt und ging dann in frischen Asphalt über. Hatte schon gedacht, die Dritte und die Vierte wären schon eingerostet. Die Nadel kletterte auf über 100 km/h und dann erreichten wir Dushanbe. An einer Bushaltestelle, wo wir vor dem Regenschauer Schutz suchten berieten, wir uns wegen der Übernachtung. Neben uns stand eine junge Frau, verschleiert mit schwarzem Umhang und ihre Augen verrieten eine Schönheit unter desselben. Die Augen ließen mich, bis der Bus kam, nicht mehr los. Wir telefonierten nach Hause, da es hier Empfang gab fürs Handy und begutachteten das erste Hotel, unfreundlich und viel zu teuer. Dann rein zum Bahnhof, denn wir suchten eine Pension in der Nähe der deutschen Botschaft. Die Info hatten wir aus unserem englischen Reiseführer. Und schon waren wir von Schaulustigen umringt, aber wie so oft, konnte keiner englisch. Irgendwann kam ein älterer Herr, der begriff, was wir suchten und brachte uns zur Botschaft. War irgendwie ein gutes Gefühl,  als wir vor dem Bundesadler standen. Ein Stück Heimat im Ausland und der nette Herr vom Konsulat gab uns bereitwillig Auskunft, war nicht mehr weit und uns erwartete ein sauberes Bett und ein Luxusbad. Frisch geduscht und ein wenig erholt machten wir uns mit einem englischen Gast auf den Weg in die Stadt. Er zeigte uns den Palast des Herrschers, der ein vergoldetes Dach hatte und wir erfuhren, daß dieser Herrscher einen neuen Palast baut mit Titan – Dach, daß noch kostspieliger ist. 50 Kilometer außerhalb der Stadt hat die Bevölkerung nichts zu Essen und lebt in bitterer Armut. Warum gehen sie nicht in die Stadt mit ein paar Prügeln …., dachte ich bei mir.  In einem vornehmen Lokal mit Folkloreveranstaltung speisten wir. Es war Michis Geburtstag  und wir begossen ihn, so wie es sich gehört. Es war ein schöner Abend!

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 Am nächsten Morgen, wusste noch niemand, das sich heute einiges ändert, wir saßen auf der Terrasse, genossen unser Frühstück, inspizierten dann  unsere Mopeds, beluden sie und machten uns auf den Weg Richtung Korog, 200 km vor der pakistanischen Grenze, das 500 km entfernt lag. Erstes Problem, war der verstopfte Benzinfilter an Dirks BMW, dann Polizeikontrolle, wir waren viel zu schnell und als uns der Schotter wieder einholte, blieb Michi mit seiner Aprillia stehen.  Wir waren voran und drehten. Im Gesichtsausdruck von Michi konnte ich ablesen, dass es ein größeres Problem war: Das hintere Federbein an seiner Maschine war defekt, das Öl rann aus dem Dämpfer und das Gas schwebte wahrscheinlich schon zum Himmel. Gespannfederbein von einer namhaften Firma! Ersatz war nicht dabei. Meine technischen Notlösungen und Erfahrungen aus meiner langjährigen Schrauberpraxis rannten durch meinen Kopf, aber ich fand auch keine Lösung. Schöne Bescherung!  Michi entschloss sich nach Dushanbe zurückzukehren und für Ersatz zu sorgen, notfalls das Orginalfederbein von Deutschland schicken zu lassen, dort war ein Flughafen. Er wollte nach ein paar Tagen den Weg über die Berge abschneiden, um uns zu treffen. Es ging eine Straße quer rüber Richtung Kirgisien. Dann waren es nur noch zwei. Dirk und ich rutschten vorsichtig über die schmierige, rote Schotterstrasse. Ich filmte Dirk auf  einer  Pass-Strecke und folgte ihm dann. Musste durch einen Wildbach,  die KTM rutschte weg und ich lag da, brachte die Maschine nicht mehr hoch und war allein.  Nach einpaar Minuten gelang es mir aber die Koffer zu lösen und das Moped richtete sich dann auf. Noch mal gut gegangen! Nachdem ich die Koffer wieder angebracht hatte, war Dirk auch schon zurück. Wir quälten uns über die üble Straße,  der Vorderradkotflügel der BMW zitterte wie Espenlaub und der Ölkühler beherbergte eine Schlammkruste, aber das Ding lief. Stundenlanger Wechsel zwischen den beiden ersten Gängen, den Lenker verkrampft in der Hand, weil der Schotter schmierig war. Richtig Kräfte raubend konnte man die Fahrt bezeichnen. Den Gebirgsbächen, die unseren Weg kreuzten, hatte ich nun heiligen Respekt entgegengebracht. Der Lüfter meiner Österreicherin lief  den ganzen Nachmittag und ich machte mir Sorgen um meine Batterie. Die Magenverstimmung war auch noch im Gange und die Sonne ließ sich nicht blicken.  Aber, wir wollten es ja nicht anders und übrigens Michi war noch schlimmer dran. An einer Wegkreuzung machten wir Pause. Dirk war schmerzlos, er hatte sich hier in einem Lokal etwas zum Essen bestellt. Anschließend gab es Tee und ein Alter mit schönem Bart kam des Weges.

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Schade, daß man mit solchen Leuten nicht plaudern kann. Die hätten sicherlich interessantes zu erzählen.  Und dann kam ein weiteres Missgeschick, Dirks Hobel sprang nicht mehr an. Ein paar Kinder und ich erweckten sie bergab wieder zum Leben. Der Weg führte uns immer am Fluss entlang , so dass die Orientierung nicht schwierig war. Erst abends mussten wir einmal abbiegen, es war schon spät, ca. 22 Uhr. Abrupt war die Straße zu Ende  Die Brücke war weggerissen und unten im Flussbett stand ein chinesischer LKW. Keine Absperrung, nichts. Unterhalb waren Wagenspuren durch den Fluss. Dirk hatte das gleich bemerkt und stand schon am Ufer. Das eiskalte Gebirgswasser rauschte an unseren Stiefeln vorbei ins Tal. Es war stockdunkel! Dirk wagte den Schritt, er jagte die BMW in das Wasser und blieb 3 Meter vom gegenüberliegenden Ufer im Wasser stecken. Nichts ging mehr! Die BMW dampfte. Musste ihm helfen und watete durch das eiskalte Nass, spürte, wie sich in den Stiefeln und an den Knien die Kälte breit machte, als sie vom Wasser umspült wurden.  Mit ausgestreckten Armen balancierte ich hinüber und wir schoben die Bayerische an Land. Jetzt wieder zurück, mein Gepäck holen und dann noch mal rein um die KTM zu holen. Im Dunkeln mit der Solo durch einen Gebirgsbach, das kann nicht gut gehen. Das Vorderrad rutschte weg und ich flog rein. Herzstillstand! Das war eiskalt!  Dirk war aber gleich zur Stelle und wir zerrten die 950er  an Land. Die Klamotten trieften, sogar Pass und Geldbeutel hatte es erwischt. Ein alter Mann hatte unser Missgeschick vom Dorf aus mitbekommen und näherte sich uns mit „ Problem?“  und einer Taschenlampe. Er hatte Mitleid mit uns.  Wir wurden in sein Haus eingeladen, konnten unsere Klamotten zum Trocknen aufhängen, es wurde uns warmes Wasser gereicht, bekamen Fladenbrot, Tschaij, Kefir und zum Nachtisch Honigbonbons, das alles in einem Raum, der komplett mit grünen Perser – Teppichen ausgekleidet war.  Sogar weiße Kissen wurden unter unsere müden Häupter gesteckt. Der Mann leistete uns bis spät in die Nacht Gesellschaft, doch wohl nur Zeichensprache möglich war. Hätte ihm gern gesagt, was er für ein wunderbarer Mensch sei. Der Mensch hat mir gezeigt, wie wenig uns Deutschen das Wort Gastfreundschaft geläufig ist. Außerdem schoß mir durch den Kopf, wie oft mir zu Hause die Leute von der Reise abrieten,wegen den Terroristen. Gastfreundschaft war diesem alten Mann ein hohes Gut und das hat mich sehr beschäftigt. Glücklich bin ich neben dem schnarchenden Dirk eingeschlafen.

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 Am Morgen erhielten wir noch Frühstück, schlüpften in unsere feuchten Motorradbekleidungen, verabschiedeten uns auf das Herzlichste und kletterten auf groben Schotter die Serpentinen hinauf. Die Sonne war unser Wegbegleiter und die klare Gebirgsluft füllte unsere Lungen. Die Motoren unserer Maschinen liefen ganz ordentlich und wir schraubten uns in die Höhe. Schnee in Sicht! Hirtenhunde mit ihren fletschenden Zähnen, die uns angriffen, ließen uns den Gashahn aufdrehen. Der Steinhagel des durchgehenden Hinterrades, zwang sie aber bald  zum Abdrehen. Der Pulsschlag stieg und das Atmen fiel schwerer, der Höhenmesser stand auf 3000m Höhe. Das erste Mal im Leben über 3000m, es war ein tolles Gefühl und das Panorama mit seinen Viertausendern ringsum, auf den Gipfeln mit Schnee überzuckert war, steigerte das Glücksgefühl. Auf den grünen Almwiesen tauchten längliche Schneefelder auf, immer parallel verlaufend, wie ein Zebrafell.

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Ein paar Kurven weiter, mussten wir anhalten, uns kam ein chinesischer Sattelschlepper entgegen.Beladen mir einer Walze, Radlader und 10000 Liter – Dieseltank. Ca. 30 Tonnen Landung! Bin selbst lange genug gefahren, aber bei diesem Anblick blieb mir die Spucke weg. 50 Tonnen Gesamtgewicht in dieser Höhe auf dem Schotterpass. Sofort kamen mir unsere Edel –Trucker mit Cowboyhut von der deutschen Autobahn in den Sinn, die mit Hausschuhen in der Kabine hocken und abends in der Kneipe Sprüche klopfen, wie cool sie sind. Hier müssten sie ihre Hausschuhe gegen Pampers tauschen! Die Chinesen haben außerdem ein ziemliches Gottvertrauen, wenn sie sich mit diesen Gewichten über solche Holzbrücken trauen, ohne statische Berechnung und zehnfacher Sicherheit.

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Die Felslandschaft wurde hinter dem Pass immer bizarrer und die Straße immer abenteuerlicher. Wenn man rechts hinunterblickte, sah man in 200m Tiefe den Wildbach toben. Die Straße war nicht gesichert und teilweise lagen große Gesteinsbrocken auf der Fahrbahn.

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Immer wieder verweilten wir und staunten über das Naturschauspiel, zückten Photoapparat und Kamera.  Der Herrgott hat uns eine schöne Welt geschenkt und hier sah man, was der Mensch noch nicht zerstört hatte. Kurze Zeit später ging es hinab ins Tal mit unzähligen Kehren. Unten eine Polizeistation mit Registrierung, 10 Minuten und wir waren weiter. Der kühle, sprudelnde Wildbach zur Rechten mit seinem glasklaren Wasser zog uns an. Stiefel aus und auf einem Stein sitzend, die Füße darin baumeln lassen. War das eine Wohltat, machte einen klaren Kopf und dazu gab es Zitronentee und Kekse. Das Getose, das Glitzern im Sonnenlicht und die Kühle ließen uns dort eine geraume Zeit verweilen, bevor wir mit nassen Füßen wieder in die Socken und Stiefel schlüpften.

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Im Hintergrund sah man jetzt die afghanischen Berge. Afghanistan, wie viel hörte man über dieses LandIn den Medien, wo sie die Greueltaten der Taliban anprangerten und jetzt waren wir mit den Mopeds direkt davor. Vielleicht waren hinter diesen Bergkuppen unsere Jungs von der Bundeswehr auf Patrolie. Die sind ja hier irgendwo im Norden, dachte ich mir. Der Sprit ging zu Ende und unten, direkt vor der Grenze, hinter einem Dorf lag die Tanke.  Läuft hier alles etwas anders. Der große, rostige Blechtank eines LKWs steht auf Ziegelsteinen,  von dort fließt es in Plastikkanister und damit werden die Fahrzeuge betankt. Erst wird über den Preis verhandelt, da der Sprit hier in abgelegenen Gebiet teuerer ist,  dann riecht man am Inhalt, denn es könnte auch Diesel sein, was meine KTM nicht so gern mag, dann wird der große Blechtrichter in die Öffnung gesteckt und die Kanister hochgewuchtet.  Ich gab dem Burschen zu verstehen, dass ich den Rostsatz am Boden des Kanisters nicht in meinem Tank brauche, er nickte. Ich konnte nicht absteigen, da mein Seitenständer weggebogen war und Dirk selbst tankte. Der vordere Tank war kein Problem, aber beim Befüllen des hinteren Tanks, unmittelbar hinter meinem Gesäß lief über und mir einige Liter in die Hose. Dirk half mir jetzt vom Moped.  Brennte gleich anständig zwischen den Beinen, aber das schlimmste war, dass der Rostsatz mit im Tank verschwand. Am liebsten hätte ich dem Tankwart eine gescheuert.

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Mit brennenden Eiern schwang ich mich dann wieder in den Sattel und wir brausten auf der Teerstraße entlang der afghanischen Grenze. Die Fahrbahn war hier asphaltiert, da die ganze russische Versorgung für den Krieg mit Afghanistan über diese tadschikische Straße lief.  Panzerwracks tauchten auf und auf der anderen Seite des Flusses konnte man afghanische Strassenarbeiter mit Pickel und Schaufel beobachten, wie sie einen Bergrutsch beseitigten. Sie winkten zu uns herüber, über den grauen, tosenden Fluß.

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Überall Kriegsspuren. Neben der Straße war noch alles vermint und wir wurden Zeuge einer Detonation, ausgelöst von einem herab fallenden Stein, der einen Minenzünder traf und einen kleinen Bergrutsch verursachte. Drüben auf der anderen Seite der Grenze. Immer öfter blickte ich jetzt auf unserer Seite den Berghang hinauf.

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In einem Dorf machten wir Halt.  Die Kinder waren immer als Erstes zur Stelle, sie sausten aus den Häusern, sprangen von Bäumen oder tauchten irgendwo aus dem Nichts auf. Hielten vorsorglich einen Sicherheitsabstand ein und betrachteten uns mit ihren großen dunklen Augen, etwas scheu, aber doch neugierig.  Ich ließ sie alle in Spalier vor dem Motorrad aufstellen und stolz posierten sie vor der Kamera. Nach dem ich abgedrückt hatte erschreckte ich sie durch einen lauten Schrei. Die Hälfte fiel um,  vor Schreck und die anderen lachten darüber. Sie verstanden Spaß und ich war ihr Freund. Als wir mit den Kindern blödelten, kamen zwei Radfahrer. Junge, französische Studenten, die bis Usbekistan samt Fahrrad flogen und nun auf der selben Strecke unterwegs waren.

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Im weiteren Verlauf der Straße sah man auf unserer Seite immer wieder Planierraupen stehen, weil des Öfteren Geröllschichten auf die Straße gerutscht waren. Es waren riesige Kieshänge, in denen große runde Steine eingebettet waren. Wenn sich so ein Ding loslöst, kannst du nur noch beten. Das Tal  wurde enger und der Himmel war kaum noch zu erblicken.

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30 km später kamen wir an eine Weggabelung mit Kavanserei und Polizeiposten. „ Akudewe „ woher kommt ihr? „Germansky „ Deutsche und dann noch „ Pamir „ die Pamir Hochgebirgsstraße. Der Polizist hatte kapiert und ließ uns passieren. „Salemaleikum“ mit der rechten Hand auf der Brust und Senkung des Hauptes. Sei gegrüßt! Jaja, wir hatten schon einiges gelernt. Der heiße Tschaij spülte unseren trockenen Kehlen und die Kekse wirkten unser noch immer währenden Magenverstimmung entgegen. Nebenan im Freien saßen zwei jungendliche Schönheiten, an denen Dirk nicht vorbei kam. Sie wurden auf die Speicherkarte des Photoapparates gebannt und es machte den Beiden richtig Freude.

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Rechts ging es runter nach Pakistan. Es war unsere Richtung. Ein Mann wollte das wissen und drückte mir einen Zettel in die Hand für eine Familie, die in dieser Richtung unterwegs waren und  mit ihrem Moskwitsch Probleme hatten. Es ging um ein Ersatzteil. Eine Stunde später lag der Wagen mitten auf der Straße auf dem Dach, die Familie stand darum und sie schraubten etwas aus der Vorderachse. Als ich der Frau den Zettel hinhielt,  zögerte sie und schaute mich ungläubig an, aber dann begriff sie, dass die Nachricht sie anging und bedankte sich herzlich.  „ Salemaleikum „ und weiter waren wir. In der Nähe des Flussbettes war kurz später die Straße mit 20 cm feinem Sand zugeweht, Die Österreicherin wurde instabil und ich klemmte den Fuß unter dem Rahmen. Es schmerzte, aber schalten konnte ich noch.  Korog war an diesem Tag nicht mehr zu schaffen. Hier braucht man für 500 km drei Tage. Ein romantischer Platz mit Wildbach und Kneipe, so wie ein Fleck Wiese für unsere beiden Zelte wurde zum Nachtlager erklärt. Zelt aufbauen bei Tageslicht, war auch schon lange nicht mehr. Abends gingen wir über die Straße zur Kneipe, saßen im Freien unter lauschigen Bäumen, bekamen Tee und Fladenbrot serviert, aber als die Wirtin mit Schafsfleisch kam,  lehnte ich freundlich ab und gab meinen verstimmtem Magen als Ausrede an. Schaf gehört nicht zu meinem Lieblingsgerichten. Wir unterhielten uns bis lange in die Nacht. Sie  war Witwe eines Fernfahrers, der auf dieser halsbrecherischen Strecke sein Leben lies und der Sohn machte Geschäfte mit Edelsteinen, die es hier in großen Mengen gab und betrieb Wilderei auf Bestellung. Als wir in unsere Schlafsäcke krochen, übertönte das Rauschen des Wildbaches die gewohnten Schnarchgeräusche meines Mitstreiters. Heute erreichten wir Korog, eine Kleinstadt, die über einen Flugplatz, einen Markt und eine spartanische, aber angenehme Pension verfügte, die Pamir – Lodge. Eigentümer war ein Engländer. Ausländerbehörde hatten sie auch, wo wir uns gleich die Einträge für unsere Pässe holten. Und dann kam ein weiteres Missgeschick: Das Radlager von Dirks Beiwagen war hinüber. Weiterfahrt unmöglich, Radlager nicht zum auftreiben. Ein Autoshop versicherte uns, sie in Dushanbe zu besorgen und sie wären übermorgen hier. War aber ein Flop! Egal wir mussten sowieso auf Michi warten, der sich immer noch in der Hauptstadt herumtrieb. Als Zusatzaufgabe erhielt er dir Organisation von neuen Lagern, was aber nicht funktionierte. Zunächst begaben wir uns erst mal auf den Markt, um den Proviant zu ergänzen und quartierten uns in der Lodge ein. Den Laden schmissen zwei junge, äußerst nette Frauen, die uns das Zimmer zuwiesen.

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Wir richteten uns ein und kochten Kaffee, als wir Besuch kamen, zwei Burschen mit dem Fahrrad. Der eine begrüßte mich mit „Habedehre“. Sag bloß,  du bist aus Bayern entgegnete ich ihm. Nein er war Österreicher und sein Heimatort, war von meinem 50 Kilometer entfernt.  Die Welt ist wirklich klein. Er hatte einen sympathischen  Hamburger im Schlepptau, den er unterwegs aufgegabelt hatte. Sie lieferten uns Informationen über den Pamir, den sie per Rad bezwangen. 400km über 4000m in 3 Wochen. 10 Liter Wasser am Tag und der Benzinkocher funktioniert in dieser Höhe nicht mehr! Mit zur Runde kamen noch an südkoreanischer Journalist und die beiden jungen Franzosen vom Vortag. Der Journalistwollte über uns alles wissen und machte sich immer wieder Notizen, da er in Südkorea über uns berichten wollte. Naja, jetzt kennen uns die da unten auch noch und nicht nur die Doris Wiedemann, die vor kurzer Zeit mit einer BMW von München bis Südkorea gondelte. Vor der Dame habe ich ganz großen Respekt! War eine starke Leistung von ihr und das Buch kann ich jedem empfehlen. So nun zurück zu unserem Problem, dem Radlager. Ist irgendwie verrückt, Tadschikistan gehörte früher zu Russland und weit und breit keine Ural, wo das Beiwagenrad passte. Der Markt mit seinen vielen Waren spuckte auch kein passendes Lager aus und Dirk, ein praktisch denkender Ingenieur und ich mit meiner langjährigen Schraubererfahrung konstruierten im Kopf eine Aufhängung für PKW – Rad am  Beiwagenrahmen, verwarfen das ganze aber wieder. Ein Uralrad muss her. 500 km zurück gab es auch schlechte Nachrichten. Michis daheim liegendes Ersatzfederbein darf wegen Gasbefüllung des Dämpfers nicht ins Flugzeug. Außerdem war die Querstraße Richtung Kirgisien für Ausländer gesperrt.

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Uns lief langsam die Zeit davon und ich musste in 14 Tagen mit meinem Omnibus weg. Wir hatten noch 7000 km vor uns. Spielte mich schon mit dem Gedanken, mich alleine auf den Weg zu machen, aber das konnte ich den beiden nicht antun.  Also noch einmal den ganzen Ort wegen einem Ural – Rad rebellisch gemacht und ein junger Bursche konnte sich an einen Lehrer erinnern, der vor Jahren so ein Ding fuhr. Zusatztank von der KTM abgebaut und gegen Dirk getauscht, machten wir uns auf den Weg. Die zweite Schule war es dann, aber es waren Ferien. Ein LKW Fahrer brachte uns dann zu dem Lehrer. Die Ural war verkauft und er stellte das ganze Haus auf den Kopf, mit der Hoffnung, etwas zu finden. Ohne Erfolg! Dann ging er zum Nachbarn und erschien nach einer halben Stunde mit einem Rad in der Hand. Not macht erpressbar, zuerst wollte er 90 Dollar für den Schrott. Schlauch fehlte und die Felge hatte einen gewaltigen Seitenschlag, über den Reifen wäre zu bemerken, dass die Leinwand herausschaute und an der Innenseite der Drahtring gerissen war. Das Handeln überließ ich dann Dirk und sie einigten sich auf 60 Dollar. Das sind drei Monatslöhne in Landeswährung. Mit dem Rad unterm Arm adjutierten wir eine Reifenwerkstatt, die in einem Container am Straßenrand untergebracht war. Der Reifenflicker weigerte sich zuerst den Mantel zu flicken. Der Schaden sei irreparabel. Es bedurfte einigen Zuredens bis er sich an die Arbeit machte. Ein zusammen gefaltetes Stück alten LKW – Schlauches hielt die Drähte nun vor Verletzung am Schlauch fern. Das Rad hatte nun einen Doppel – Achter. Mich wunderte, dass der Reifen nicht am Kotflügel streifte. So,  Dirk war nun wieder fahrbereit und  Michi war jetzt auch eingetrudelt nach 500 km mit defektem Dämpfer, meistens im Stehen gefahren,  zur Schonung  der hinteren Federung.  Wir machten uns gleich auf den Weg. Muss dazu vermerken, dass die Logde auf 2500m lag und wir uns an die Höhe gewohnt hatten. Aber heute geht es noch rauf zum Pamir. Über 4000 Meter sicher

 

Rest folgt später!!

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